Weingläser im Test

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  • Durch Frank Rembold
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Weingläser im Test

Weingläser im Test

Weingläsertest November 2015

das Angebot an Weingläsern ist heute riesig. Als ich dann neulich zwei mundgeblasene Gabriel-Gläser geschenkt bekam, nahm ich das zum Anlass, tiefer in das Thema einsteigen und vereinbarte mit Weinenthusiast Olaf Schilling einen Gläsertest. Es ging uns um Genuss, welches Glas den eingeschenkten Wein am besten aussehen lässt. Es ging weniger darum, welches Glas am besten zur degustatorischen Analyse ist.
Ich konzentriere mich nachfolgend auf die Dufteindrücke, auf den Geschmack haben die verschiedenen Gläser nur einen sehr geringen Einfluss.
 

Es traten an:

Zalto Weißwein

Zalto Universal

Zalto Bordeaux

Zalto Burgund

Gabriel-Glas

Sophienwald Rotwein

Spiegelau Magnum Grandissimo – welches ich im Text nicht weiter erwähnen werde, da dieses maschinell gerfertigte Glas neben den feinen mundgeblasenen Exemplaren die Eleganz eines Bierkrugs hatte. Auch aromatisch war es keine Bereicherung.
 

Ebenfalls nicht überzeugend war das Zalto Universal, das dadurch auffiel, eigentlich nichts richtig gut zu können.
 

Runde 1 – 2014 Riesling Pechstein GG, Weingut von Winning:

Im Zalto Weißwein sehr zitrusfruchtig, etwas Holz. Macht den Wein kleiner, als er ist.

Gabriel: etwas offener, gelbfruchtiger, grüner Tee, wirkt ein wenig breit, das Holz wirkt zu dominant.

Zalto Bordeaux: ganz ähnlich wie im Gabriel, auch hier ein wenig breit und viel Holz.

Sophienwald: cremige Nase, ausgewogen und stimmig. Platz 1

Zalto Burgund: sehr subtil und präzise, knapp hinter dem Sophienwald auf Platz 2

Der Wein ist im Moment übrigens ziemlich verschlossen.
 

Runde 2 – 2009 Saint-Joseph l’Amarybelle, Yves Cuilleron (Rhône/Syrah):

Im Gabriel-Glas ausgewogen und würzig, Anfangs Platz 1

Im Zalto Bordeaux beginnt der Wein verhalten, mit weiterer Luft zieht das Glas dann aber am Gabriel vorbei. Ich teile deshalb Platz 1

In den bauchigeren Sophienwald und Zalto Burgund wirkte der Wein etwas verloren.

Generell war diese Flasche ziemlich verhalten, ich kenne den Wein wesentlich duftiger. Einen Fehler hatte er aber nicht.
 

Runde 3 – 1975 Chateau Lascombes, 2. Cru Classé, Margaux:

Gabriel: die Reifearomen wie Pilze und Unterholz sind sehr im Vordergrund, nicht überzeugend.

Zalto-Bordeaux: stellt die negativen Eigenschaften des Weines in den Vordergrund, zu muffig.

Sophienglas: harmonischer als das Zalto Bordeaux, aber ein wenig stumpf.

Zalto-Burgund: eindeutig die Nummer eins! Gibt dem Wein Raum und Harmonie, trotzdem ist das Bouquet präzise.

Der Wein (0,375L Flasche) war anfangs gut in Schuss, zeigt nach 3h aber Oxidationsspuren, die das relativ kleine Gabrielglas dann am besten verschleierte.
 

Runde 4 – 2007 Domaine Horizon, Côtes Catalanes rouge:

Gabriel: sehr marmeladig und eindimensional

Zalto BX: etwas feiner (was bei dem Wein generell schwierig war), es zeigt sich mehr Holz und viel Kirsche.

Sophienglas: hier wird es sehr holzlastig, seltsam

Zalto-Burgund: die feinste Nase von allen, klarer Platz 1

Der Wein ist generell schwierig, immer noch tiefdunkel, aber doch eindimensional und plump, Marmelade mit Holz. Kein Trinkfluss.
 

Runde 5 – 2011 Salaux, Cave de la Petite Revolution (Provence):

Gabriel: Banane, Schokolade und Holz

Zalto BX, aromatisch ähnlich wie im Gabriel, gibt ihm aber mehr Raum, dadurch etwas subtiler

Sophienglas: wieder etwas dumpf, wie beim Horizon davor

Zalto Burgund: auch hier am besten ausgewogen, bei den eher fruchtigen und voluminösen Weinen, gewinnt dieses Glas eindeutig!

Der Wein hat eine tolle Konzentration und steckt seine 15% Alkohol locker im Extrakt weg, sehr feines Holz. War dem Horizon um Längen voraus.
 

Runde 6 – 2011 Pinot Noir “Isabelle” Au Bon Climat (USA):

Gabriel: sehr viel Toast, wenig subtil

Zalto BX: schöner als im Gabriel-Glas, aber auch noch holzlastig.

Sophienglas: offener als im Zalto-BX, gut

Zalto-Burgund: in seiner Spezialdisziplin ist das Glas unschlagbar, was auch zu erwarten war. Hier präsentiert sich der Wein sehr subtil und facettenreich, das Holz, bzw. der Toast ist viel besser integriert.

Der Wein hat neben seinem intensiven Holzeinfluss auch wirklich elegante Noten, er ist schon etwas molliger als rote Burgunder, nicht so schneidig elegant, ist aber trotzdem sehr trinkig und alles andere als langweilig. Ein toller Übersee Pinot!
 

Runde 7 – 2008 Domaine Horizon blanc “le Patriot”:

Ein schräger Wein (ich dachte erst an Schwefel), der mit seiner großen Duft-Intensität eigentlich in allen Gläsern recht ähnlich riecht. Die größte Harmonie hat er im Sophienwald Rotwein, das bei beiden „normalen“ Weißweinen den Sieg knapp davonträgt.
 

Runde 8 – 1991 Arbois Vin Jaune, Henri Maire (Jura):

Hier kommt das Zalto Weißweinglas wieder ins Spiel und rockt die Runde auch gleich. Der oxidative Wein hat hier die größte Harmonie und eine große Intensität. Je größer das Glas wird, desto unwohler fühlte sich der Wein darin.


Einzelfazit: 
Das Zalto Weißweinglas passte bestens zum Vin Jaune, aus früherer Erfahrung weiß ich, dass es auch für leichte Weißweine sehr gut ist und erst neulich in der Disiplin Riesling trocken das Gabriel-Glas geschlagen hat. Ich will es nicht missen.

Das Gabriel-Glas kann man nehmen, holt aber nicht das Optimale aus jedem Wein raus. Für große und komplexe Weine finde ich es einfach zu klein geraten. Für einen Messebesuch finde ich es tauglich.

Das Zalto Bordeaux ist zu einigen Weinen ziemlich gnadenlos, legt jeden kleinen Fehler offen und eignet sich somit hervorragend als analytisches Verkostungsglas, andere Gläser fördern den Genuss aber besser. 

Das Sophienwald Rotweinglas kann man für kraftvollen trockenen Weißwein sehr empfehlen, in seiner eigentlichen Spezialdisziplin, dem Rotwein, fand ich es nur Durchschnitt.

Zalto-Burgund ist der eindeutige Testsieger, es gibt den Weinen eine Klarheit und Präzision, die man in den meisten anderen Gläsern nicht hat. Zudem eignet es sich für viele Weintypen hervorragend.

Fazit allgemein: kaufen Sie sich ein gescheites Glas! Das mag erst mal eine gewisse Investition bedeuten, lohnt sich aber. Edler Wein in einem billigen Glas ist schade ums Geld. 
Das „Eines für alle Fälle“ Konzept finde ich nicht überzeugend und wenn partout nur ein Glas im Haus geduldet wird, dann würde ich mir nicht eines der beiden Universalgläser (Gabriel oder Zalto) kaufen, sondern das Zalto Burgund!
 

Frank Rembold

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