Träume süß - Château d'Yquem & Co.

Träume süß - Château d'Yquem & Co.

Träume süß - Château d'Yquem & Co.

Das Jahr geht langsam zu Ende, Zeit sich mit ein paar andächtigen Süßweinen zu beschäftigen. Alle Weine wurden verdeckt probiert:

1973 Château d'Yquem: goldgelb bis bernstein. Typische Nase nach Linoleum, Reifenoten, leicht nach Azeton. Relativ trocken am Gaumen, die mittlere Süße wird nicht mit der brachialen Säure fertig, es fehlt an Länge. Gestern trinken. 16/20.
 

1999 Domain Cauhapé, Quintessence de Petit-Manseng (Jurancon): helleres goldgelb. In der Yquem-Probe sofort als nicht Sauternes erkennbar, erinnerte eher an einen Neuseeländischen Sauvignon von den Aromen her, lakitsche Noten. Etwas kitschige Süße am Gaumen, Stroh und Gummibären im Finale, wenig Struktur. 15/20. Hatte es schwer in der Sauternes-Probe.
 

1986 Château Rieussec (Sauternes): dunkleres goldgelb. Relativ dezente Nase, Holz, Bortytis. Enormer Druck am Gaumen, opulent, dicht, Holztöne im langen Finale. Ist vielleicht nicht der Eleganteste, beeindruckt aber durch seine Konzentration. 19/20.
 

1999 Château d'Yquem: grüngelbe junge Farbe. Relativ fruchtig, sticht aromatisch heraus, Tannennadeln, schwarzer Pfeffer. Aromatisch, gute Dichte, lang, rassige Säure im Hintergrund. Ist nicht der konzentrierteste Yquem, aromatisch ein Sonderling, aber sehr schmackhaft. Schmeckt jünger als er ist, hat noch viel Zeit. 17,5+. 
 

1967 Château d'Yquem: dunklere Bernsteinfarbe. Etwas alter Holzschrank, öffnet sich, erst kommt Karamell, dann Kaffee, auch zart nach Cassisbonbon. Komplex, süß, aber nie pappig, hat durch seine Bitterstoffe eine wunderbare Struktur, dazu kommt eine tolle Klarheit in den Aromen und enorme Länge und Präzision. Das ist groß! Hält sich noch sehr lange auf diesem Niveau. 19,5. Der Star des Abends - was zu erwarten war.
 

1990 Château d'Yquem: helleres goldgelb. Eigenwillige Nase, Buttermilch, stumpf wie nasse Kreide, grüne Noten, Tee, entwickelt starke Röstnoten mit Luftkontakt. Gute Fülle, im Finale wieder stumpf, erinnert an nassen Karton, allzu lang ist er auch nicht. 16. Die große Enttäuschung der Probe.
 

1959 Château Caillou, Crême de Tête (Barsac): dunklere Bernsteinfarbe. Nasser Korken im Geruch, viel Karamell. Relativ trocken, verhaltene Süße, unsauber. Korkfehler, kein TCA, aber die Aromen von nassem Kork sind im Wein. Ohne Wertung.
 

1986 Château d'Yquem: goldgelb. Verhaltene Nase, Holz, Linoleum, wirkt nicht üppig und eher jung in der Nase. Saftig am Gaumen, reichlich Extrakt, tolle Länge, schmeckt molliger als er riecht. Aromatisch noch jung. 19. Ein Spätentwickler, den habe ich 15 Jahre jünger eingeschätzt.
 

1959 Château Rayne-Vigneau (Sauternes): mittleres bernstein: Etwas unsauber, nasser Keller. Mittleres Gewicht, auch am Gaumen die unsaubere Note, spröde Tannine. Schwieriger Wein. 14.
 

1995 Château d'Yquem: jüngeres goldgelb. Röstnoten und Linoleum, Sauternes pur. Dicht, ölig, enormer Grip, cremige Fülle und sehr lang bei bester Balance. Schmeckt noch sehr jung. 19. Die positive Überraschung der Probe, das hätte ich in diesem mittelprächtigen Sauternes-Jahr so nicht erwartet.
 

2001 Château d'Yquem: helles goldgelb, zieht dicke Schlieren am Glas. Junge Aromen, Holz, Linoleum. Saftige Süße, lang, viel Druck, alles sitzt am richtigen Platz, ein molliger Typ. Braucht Zeit. 18,5. Als die große Yquem-Legende der Neuzeit (100 Parker / 20 Gabriel usw.) kam er bei keinem der Verkoster an. Ich hatte ihn noch am höchsten bewertet.
 

1980 Château d'Yquem: goldgelb bis bernstein. Riecht etwas dumpf, alter Holzschrank, keine Klarheit. Mittlere Süße, eher kurz und trocken endend. Unsauberes Lesegut. Zu alt. 15,5.
 

2001 Château Rieussec (Sauternes): dunkleres goldgelb, Linoleum, saubere Aromen. Mittleres Gewicht, recht lang, ist nicht besonders konzentriert, aber angenehm. 16,5. Die 2. Riesenenttäuschung der Probe. Von seinen 99 Parker-Punkten ist der meilenweit entfernt.
 

1985 Château d'Yquem: dunkleres goldgelb. Röstaromen und leicht grüne Noten. Etwas bitter am Gaumen, gute Fülle, lang, etwas Säure, leicht ruppig hinten raus. 16. Für einen Yquem ist das zu wenig.

Frank Rembold 

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