Spontaner Weinabend

Spontaner Weinabend

Spontaner Weinabend

Spontaner Weinabend am 09.10.2015

Was früher für die Parties galt, gilt heute für einen Weinabend: die spontanen sind die besten! Vielen Dank an die spendablen Weinfreunde, die sich mit ein paar Flaschen unter dem Arm trafen.

 

 

Erst mal ein paar alte Bordeaux zur Einstimmung:
 

1950 Château Cos d’Estournel, 2. Cru Saint-Estèphe: reife Farbe mit leicht orangem Wasserrand. In der Nase erst leicht medizinisch, grüner Cabernet, Paprika, Majoran. Mittlerer Körper, klar, gute Länge, etwas trocken hinten raus, passt aber. Ist besser als erwartet. 17.

 

1929 Château Jean Voisin, Saint-Emilion: malziges Aroma, oxidiert. Etwas besser im Mund, eher schlank, leicht blechern, lebt aber noch. Trinkspaß ist geht trotzdem anders. 14.

 

1966 Château Nénin, 1er Cru Pomerol (sic!): granatrot mit Wasserrand, gesunde Farbe. Reifenote im Bouquet, Unterholz, Pilze, Pflaumen. Mittleres Gewicht, ausgewogen, ganz leicht sprödes Tannin, schmeckt aber. 16,5.

 

1975 Vieux Château Certan, Pomerol: granatrot, leicht bräunlicher Rand. Leichte Röstaromen, Gummi, Schokolade. Gute Fülle, merkliche Tannine, leichte Extraktsüße, was Charme gibt, wären da nicht die rauen 75er Tannine, die hier nicht zu leugnen sind, auch wenn es deutlich derbere Weine in dem Jahr gibt. Hinten ist er ganz leicht bitter. 17.

 

1970 Château Latour a Pomerol, Pomerol: granatrot, dunklerer Kern, orangebrauner Rand. Zedernholz, Zigarren, Pilze, leicht nach Schokolade, Kräuter und Pflaumengelee. Satt am Gaumen, gut ausgewogen, lang, saftig, beste Balance auf hohem Niveau. 18.

 

Dann ein interessanter Vergleich einer Lage zweier Topweingüter:
 

2007 Riesling GG Kirchspiel, Wittmann: junge Farbe. Leichter Sponti, Haselnüsse, erste Reife in der Nase. Hat Zug und eine stramme Säure am Gaumen, vor allem für den doch eher weichen Jahrgang, ein Hauch Restzucker, direkt neben dem von Keller wirkt er aber trotzdem „furztrocken“. Eher bald trinken. 17

 

2007 Riesling GG Kirchspiel, Klaus Keller: grüngelbe Farbe. Intensiver Sponti, kaum Reife, riecht jünger als der Wittmann, gelbe reife Früchte, fast überreif. Am Gaumen füllig, aber etwas arg süß hinten raus, wirkt plump und entwickeln keinerlei Trinkfluss. Ist wohl noch zu jung, auch wenn das auch mit weiterer Reife nicht mein Weinstil sein wird. 17+.

 

Ein weißer St.-Aubin als Einstimmung auf den roten „Jahrhundertjahrgang“ 2005 Burgund, der leider zwei Fragezeichen hinterließ. Vermutlich schätze ich beim Burgunder einfach andere Attribute als Konzentration und Kraft.

 

2011 Saint-Aubin blanc, Sylvain Langoureau: Zitrusfrüchte, leicht nussig, Birne, etwas Holz. Am Gaumen etwas karg, Kreide, etwas eigenwillige Aromen. 15,5

 

2005 Gevrey-Chambertin „aux Etoiles“, Rossignol-Trapet: dunklere Pinotfarbe ohne Reifetönung. Röstnoten, Rosinentouch, der an der Luft dezenter wird. Am Gaumen ist er griffiger als die Nase andeutet, viel Tannin, an Charme mangelt es eher, Dichte und Kraft ist da, die Tannine sind auch leicht „hitzig“ trocken. 17+?

 

2005 Gevrey-Chambertin „Mes cinq Terroirs“, Denis Mortet: Röstaromen, klarer Pinot, schöne Nase. Schwächelt dafür am Gaumen etwas, viel Alkohol, nicht fett, aber auch der hat leicht trockene Tannine. Es fehlt mir die kühle Präzision und Feinheit burgundischer Pinots. 16+?

 

Kalifornien riss es dann leider auch nicht raus:

1997 Cabernet Sauvignon, Shafer: süß-fruchtige Nase, kräuterwürzig. Hat Kraft, aber auch derbe Tannine. Allzu viel Spaß macht das nicht. Bald trinken. 15,5.

1997 Merlot, Shafer: völlig oxidiert und kaputt. 10

Eine kleine Blindprobe dazwischen: 

1997 Blauer Spätburgunder, Johner, Baden: reifere Pinotfarbe. Duftig, klar als Pinot erkennbar, allerdings nicht unbedingt als einer aus Deutschland. Gute Struktur und Fülle, hat Charme und eine gute Länge. Hat noch viel Frische und sogar Biss durch eine dezente Säure, Extraktsüße, lang. Gefällt mir sehr und ist noch lange nicht am Ende. Ist bei den meisten als Côte d’Or Burgunder durchgegangen. 17.

 

Zurück zum Bordeaux:
 

1975 Château Léoville-las-Cases, 2. Cru Saint-Julien: grüne Noten dominieren die Nase, Zedernholz. Am Gaumen ebenfalls mit grünen Noten, mittleres Gewicht, eher schlank hinten raus und etwas karg. Der war früher deutlich besser, scheint am Abbauen. 16,5-

 

1990 Château Saint-Pierre, 4. Cru Classé Saint-Julien: zwei Flaschen mit muffigem Ton, erinnert an die „Kellerseuche“ mancher Ducru-Beaucaillou Jahrgänge der 1980er Jahre. Die erste intensiver, vielleicht war das zusätzlich noch ein schleichender kork im Spiel, die zweite dezenter, aber auch noch deutlich. Der Körper war gut, ein typischer 90er in seiner weichen Art. Spaß machten beide Flaschen nicht. 14

 

1989 Château Léoville-las-Cases, 2. Cru Saint-Julien: granatrote Farbe mit dunklerem Kern, am Rand mit leichter Aufhellung, wenig Reifetönung. Eine feine Nase mit sanft würzigen Noten und etwas Cassisbonbon. Gute Fülle, recht lang, glasklare Struktur, sehr lecker, von der Konzentration her allerdings kein ganz großer Las-Cases. 18. 

 

Zum Abschluss gab es noch einen 2006er Champagne Belle Epoque von Perrier-Jouet, der mit seinen herrlichen Briochenoten immer wieder verzückt. 18,5!

 

 

Schee wars!

Frank Rembold

 

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