Prowein Messebericht 2018

Prowein Messebericht 2018

Prowein Messereport 2018

6.870 Aussteller aus 64 Ländern und über 60.000 Fachbesucher fanden dieses Jahr nach Düsseldorf. Der bedeutendsten Weinmesse der Welt konnte die Zahlen der Superlative auch 2018 nochmal steigern. Das war es aber auch schon mit Statistik, jetzt geht es zum Genuss.

 

Begonnen habe ich mit den Cru Bourgeois 2015, einfach weil der Gemeinschaftsstand mit 100+? Weinen gerade praktisch auf dem Weg lag. Hierfestigte sich die Erkenntnis von der Cru Bourgeois Tour vor ein paar Tagen: 2015 ist ein Klassejahrgang in Bordeaux, bei den Merlots wie bei den Cabernets, auch die trockenen Weißweine sind cremig und voll. Bei den Rotweinen fällt vor allem die Rückkehr zur Finesse auf. Die meisten Winzer vermieden die überbordenden Alkoholwerte der letzten großen Jahrgänge 2009 und 2010, die Tannine sind frischer in 2015, die Weine sind viel trinkiger, eleganter, für mich schlicht: besser! All dies bestätigte die Verkostung der Union des Grand Crus am nächsten Morgen, man findet hervorragende Weine in Hülle und Fülle, selbst verhältnismäßig günstige Crus wie Labegorce oder Monbrison kratzen an der 18/20 Punkte Marke, haben Finesse, Kraft und Komplexität, sowie eine herausragende Tanninqualität. Das mach richtig viel Spaß. Nachstehend einige Bordeaux-Highlights:

 

Die absolute Spitze in weiß: Domaine de Chevalier blanc, schlicht ein Traumwein. Auf den folgenden Plätzen: Pape-Clément, Malartic-Lagravière, Fieuzal, Smith-Haut-Lafitte.

 

Rotweine

Graves: ganz vorne Pape-Clément (nicht mehr so fett und röstig wie früher) und Malartic-Lagravière, der in den letzten Jahren zur Spitze im Graves aufgeschlossen hat. Dann folgten praktisch gleich auf: Carmes-Haut-Brion, Domaine de Chevalier, Haut Bailly und Smith-Haut-Lafitte. Preislich attraktiv: Fieuzal, Olivier, Picque Caillou. Praktisch alles Graves sind betont geschmeidig in 2015.

 

Saint-Emilion mit Licht und Schatten, top fand ich in dieser Reihenfolge: Figeac, Pavie-Macquin, Canon-la-Gaffelière (bester seit Langem). Ein sehr gutes Mittelfeld, z.B.: la Dominique, Grand-Mayne, la Tour Figeac und Villemaurin. Valandraud und Larcis Ducasse haben sehr viel Alkohol, ich hoffe die Balance hält, ich bin aber skeptisch. Eher schwach: Balestard la Tonnelle, la Couspaude, La Gaffelière und Larmande.

 

Pomerol: einer der besten Weine der ganzen Messe: 2015 Chateau La Conseillante – saftig und subtil zugleich, könnte ganz groß werden. Gazin ist so gut wie lange nicht mehr, auch la Pointe eine Empfehlung. Mit dem Clinet kam ich heute nicht zurecht, viel Toast, irgendwie verschlossen, wo ist die große Dichte?

 

Médoc & Haut-Médoc: sehr schön sind hier Cambon-la-Pelouse, der die Cru Classé hinter sich lässt, Belgrave, Camensac mit dem besten Wein seit Jahren, wenn nicht Jahrzehnten, Cantemerle und Tour Carnet gefallen auch, La Lagune war schwierig und erinnerte an Brettanomyces. Auch sehr gut: Tour-Haut-Caussan, du Retout, Malescasse (wild und ungestüm), Lamothe-Bergeron und einige mehr.

 

In Margaux ist Lascombes ganz vorne mit dabei, dann ein breites oberes Mittelfeld mit: Brane-Cantenac, Cantenac-Brown, Labegorce und Prieurè-Lichine. Eher schwach war eigentlich nur der du Tertre, der als einer der wenigen Weine grüne Noten in diesem tollen Jahr hatte.  Tipp für Cabernet-Fans: Haut-Breton-Larigaudiere! Vermutlich auch hier der beste je abgefüllte Wein mit 80% Cabernet, definitiv auf Cru Classé Niveau.

 

Viele gute Saint-Julien, die Nr. eins war für mich Léoville-Barton: ein druckvoller Wein mit innerer Ruhe, wirkte erhaben. Muss ich haben. Knapp dahinter Léoville-Poyferré und ein grandioser Saint-Pierre, wow! Auch sehr empfehlenswert: Beychevelle (auch hier der beste seit Jahren), Branaire-Ducru, Gloria, Gruaud-Larose, Langoa-Barton und Talbot. Einzig der Lagrange zeigte sich eher enttäuschend, mit seiner recht süßer Frucht etwas banal wirkend.

 

Pauillac war nicht allzu zahlreich vertreten, dafür aber mit einer überragenden Pichon-Comtesse und einem großartigen Lynch-Bages. Auch Batailley ist wieder sehr gut, d’Armailhac besser als der Clerc-Milon, der leicht grüne Noten hat.

 

Saint-Estèphe wie üblich strenger, sehr gut hier der Lafon-Rochet und der Phelan-Segur, auch der Cos Labory war nicht verkehrt. Le Boscq wieder sehr gut, auch la Haye ist beachtlich.

 

Jean-Michel Garcion, Direktor der de Mour Chateaux in Bordeaux hat mir freundlicherweise einige 2017er Fassmuster zur Verkostung mitgebracht. Der Jahrgang wird durch den teilweise verheerenden Spätfrost in Erinnerung bleiben, der auf Haut-Breton-Larigaudiere in Margaux 80% der Ernte vernichtete. Qualitativ hingegen war das Verbliebene ausgezeichnet, tiefdunkle Weine aus gesundem Lesegut, mit Kraft, Tiefe und wunderschönen Tanninen. Gleiches gilt für die beiden Chateaux in Saint-Emilion des Hauses, hier war zudem der Frostverlust wesentlich geringer. Auch darauf darf man sich freuen – so ab 2020 erhältlich.

 

Und nun weiter zur Rhône, genau zur Famille Perrin, wo sich nach 2015 der nächste große Jahrgang mit 2016 ankündigt. Nach dem weichen und opulenten 15er, präsentiert sich der 16er frischer, knackiger, aber mit ebensolcher Konzentration und Komplexiät am Gaumen. Vermutlich werden sie etwas länger brauchen um ihren Höhepunkt zu erreichen, diesen aber sehr lange halten. Überragend und mit die besten Weine des gesamten Messebesuchs: die beiden 2016er Chateauneuf-du-Pape blanc von Chateau de Beaucastel, die „normale“ Version und der Roussanne Vieilles Vignes. Viel besser kann Wein nicht sein.

 

Ein sehr sympathischer Winzer, der kleine Weinmeisterwerke aus den Rebsorten Altesse und Rousette zaubert, ist Adrien Berlioz. In der alpinen Savoyen-Region produziert Adrien unglaublich stoffige und komplexe Weißweine, die uns bereits letztes Jahr förmlich umgehauen haben. 2017 ist nach 2015 dort abermals ein herausragender Jahrgang mit saftigen Weinen, was der kühlen Art der Savoyerweine sehr gut steht.

Ein echter Kauftipp für Weinfreunde, die mit weißen Nordrhôneweinen etwas anfangen können. Erhältlich voraussichtlich ab Ende April 2018.

 

 

 

Die Jungs von Croisille / Domaine de Fage im Cahors präsentierten tolle 2016er, die dem Vorgängerjahrgang in nichts nachstehen und überraschten zudem mit einem Craft-Bier, das intensiv, aber trotzdem mit Trinkfluss daherkam. Der Hautes-Terres wird auch im Jahrgang 2016 einer meiner absoluten Lieblingsweine bleiben, da bin ich mir sicher. Auch der vermutlich ab Ende April 208 erhältlich.

 

Ganz neu werden die Mucadets der Domaine Bonneau-Huteau kommen. Bereits der Einstiegswein aus 2017 hat so viel Charme und Konzentration, dass man sich nur schwer zurückhalten kann. Die Einzellagen und Cuvées von verschiedenen Bodentypen geben einen faszinierenden Einblick in den Einfluss der Terroirs auf den finalen Wein. Höchst spannend und hochklassig.

 

Der Jahrgang 2017 in Deutschland hat mir sehr viel Freude bereitet, die Weine sind aromatisch klar, intensiv und balanciert, leider ist die Menge vielerorts sehr gering ausgefallen, die guten Sachen sind also vermutlich schnell vergriffen. Habe eine Top-Kollektion bei Christmann/Pfalz probiert, sehr individuell und kochklassig, die Riesling Ortsweine aus Gimmeldingen und Königsbach hatten mir es besonders angetan, aber auch der spontan vergorene Weißburgunder hat eine großartige Eleganz. Bald mehr bei MALUNI-Weine.de.

Knewitz aus Rheinhessen hatte eine starke Kollektion, ebenso Sven Klundt/Pfalz, dessen richtig trockene Weine viel Charme und Weichheit besitzen und zudem preislich nach wie vor ein Knaller sind. Ein neues Etikettendesign für die Gutsweine gibt es ab 2017 zusätzlich, siehe Foto rechts. Auch hier bald mehr bei Maluni.de

 

Kurt Angerers 2017er Kamptal-Weißweine waren bezaubernd, das geht mit dem Grünen Veltliner Kies los, der ungeheuer stoffig für eine sogenannte „Einstiegsqualität“ daherkommt. Auch der hat das Zeug zu einem meiner absoluten Lieblinge dieses Jahr zu werden. 2017 ist stilistisch ähnlich wie 2015, ein saftiger Jahrgang mit viel Volumen, trotzdem wirken im Hintergrund vitale Säuren, welche die Weine vital halten.

 

Das Sortiment von Ottella von südlichen Gardasee werden wir ausweiten, neben den beiden Lugana und dem roten Gemei wird es weitere Spezialitäten bis hin zum Amarone geben, auch einen 3 Gläser Wein des Gambero Rosso.

 

So, das war er erst einmal, weitere Projekte sind in der Mache, wir halten Sie auf dem laufenden.

Viele Grüße

Ihr Frank Rembold

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