Pomerol & Saint-Emilion September 2016

Pomerol & Saint-Emilion September 2016

Weinprobe: Pomerol & Saint-Emilion im Munich Wine Club September 2016

Pomerol & Saint-Emilion im Munich Wine Club September 2016

Die Wiederholung der letztjährigen Libournais-Probe ließ keine Wünsche offen, die absolute Weltspitze war vertreten, dazu viel sehr schön Gereiftes, ebenso wie einige Weine, die sich weit besser präsentierten als erwartet. Korkschmecker gab‘s ausnahmsweise auch mal keine, dafür zwei Weine, die deutliche Oxidationsspuren aufwiesen. Danke an Thomas & Marina für die Organisation und die begleitenden Speisen.

 

Serviert wurden die Weine blind in 2er Flights, es war aber bekannt, welche beiden Weine das sind.

 

1998 Château le Gay, Pomerol: mittlere Farbe, hellerer Wasserrand mit leicht bräunlicher Tönung. Im Duft Kokos, Schokolade, Marzipan. Guter Druck am Gaumen, „süßer“ Extrakt, voll, die Tannine sind nicht allzu fein, hat fast eine Médoc-Struktur, hinten raus mit viel Länge und Biss. Ein charaktervolles Original. 18/20. 9/16

 

1998 Chateau Gazin, Pomerol: ist dunkler als der la Gay. Dunkle Beeren, Pomerol-Lehm, Veilchen, Pflaume und eine nicht zu überriechende grüne Note. Am Gaumen ein Tick Säure, dann ein kurzer Moment von Merlot-Weichheit, bevor die leicht trockenen Tannine zupacken. Er ist recht lang, aber auch unausgewogen und stumpf. Für dieses tolle Pomerol-Jahr ist er eher enttäuschend. Zu früh gelesen? 17/20. 9/16

 

1994 Chateau l’Evangile, Pomerol: mittlere Farbe, Wasserrand, erste Reifetönung. Dunkle Frucht mit kühler Aromatik, Lehm-Pomerol, Cassis, auch etwas Rest-Toast. Gute Fülle, leicht trockene Tannine, hat Länge und Biss, leicht kreidig im Finale. So ganz harmonisch ist er noch nicht, hat aber immer noch viel Substanz um die Tannine mit weiterer Reife zu balancieren. 17,5+/20. 9/16

 

1994 Chateau la Conseillante, Pomerol: mittlere Farbe mit erster Reife, Wasserrand. Erst intensiv nach Walnuss, lüftet aber aus, leichte Cabernet Franc Paprikanote, leicht nach Buttermilch. Griffig, leichte Säure, frisch, mittlerer Körper, trotz seiner schönen Extraktsüße kann er die leicht rustikalen Tannine nicht komplett verstecken, dennoch schmeckt das gut. Noch besser wäre er zu einem fettreichen Essen. 17,5. -gerade noch. 9/16

 

1990 Chateau Lafleur, Pomerol: reife Farbe, leicht trüb. Im Duft zeigt er schwarze Oliven, Eisen, Tabak, ein herrlich süßer Unterton, später geht das in Richtung grüner Tee und Marzipanschokolade. Sehr abwechslungsreiche Nase mit großem Druck und leichter Portweintendenz. Im Geschmack knallt er dann richtig, der klebt förmlich am Gaumen ohne auch nur einen Tick schwer zu sein, sehr kraftvolle Tannine, denen man letztlich aber die große Feinheit absprechen könnte, nur ist mir das total egal bei diesem monströsen Unikat. Gewaltige Länge, ein minutenlanges Finale, packt unglaublich zu. Von der Konzentration her eine völlig eigene Liga an diesem Abend. 19,5/20. 9/16

 

1990 Chateau Certan de May, Pomerol: reifere Farbe, braunoranger Rand. Pflaumiger Merlot in der Nase, schöne Klarheit, riecht vitaler als er aussieht, Minze und ganz zart Bittermandel. Am Gaumen saftig, anfangs ein Hauch Alkohol, druckvoll und sehr gut ausbalancierte Tannine. Fein und tief zugleich, reifer Pomerol wie er sein soll. Jetzt trinken, wird mit weiterer Reife eher abbauen. 18,5/20. 9/16

 

1988 Chateau Certan-Giraud, Pomerol: helle Farbe, sieht fast wie ein reifer Pinot Noir aus. Unterholz, altmodische Weinbereitung vermutlich ohne neues Holz, leichte Süße andeutend. Leicht bis mittelgewichtig, bricht ziemlich schnell ab, etwas lieblos gemacht, aber letztlich ganz o.k. Bald trinken.  16/20. 9/16

 

1988 Chateau La Fleur-Petrus, Pomerol: mittlere bis dunklere Farbe. Im Duft leicht nach Kalk, ein Rest Barrique, schöne Klarheit, kühle Aromatik. Mittleres Gewicht, ausgewogen, gute Länge, trotz klassischer Machart hat er Charme und viel Zug am Gaumen. Sehr gut und kann noch liegen bleiben. Eine knappe 18/20. 9/16

 

1985 Chateau Beausejour-Duffau, Saint-Emilion 1er Cru Classé B: orangegelber Rand, sieht sehr reif aus. Riecht auch sehr reif, wenn auch noch nicht uralt, Sauerteig, Käse. Am Gaumen ist er ziemlich karg, blecherner Nachgeschmack, trocken, steht mit einem Bein im Grab. 15/20. 9/16

 

1985 Chateau Troplong-Mondot, Saint-Emilion Grand Cru Classé: ziemlich dunkle Farbe mit bräunlicher Tönung. Karamell, Gummi, ein Hauch flüchtige Säure (Essigstich), unangenehme Oxidationsnote, Stall, Butter. Recht körperreich, aber letztlich ein Sammelsurium von fast allen denkbaren Weinfehlern. Macht gar keinen Spaß mehr. 12/20. 9/16

 

1979 Chateau Magdelaine, Saint-Emilion 1er Cru Classé B: helle orangerote Farbe. Mittlere Oxidation, schön duftet der nicht mehr. Trocken, blechern, zu alt. Angeblich eine schlechte Flasche, der Wein kann besser sein. So ist er nur 13/20 wert. 9/16

 

1979 Vieux Chateau Certan, Pomerol: mittlere Farbe, sieht reif aus. Etwas kalter Rauch, Unterholz, die Nase wird klarer an der Luft, eine leicht grüne Note bleibt, erinnert an Heu. Hat Biss, recht lang, guter Extrakt, durchaus auch komplex und sehr schön gereift. 17/20. 9/16

 

1979 Clos Fourtet, Saint-Emilion 1er Cru Classé B: helle Farbe, orangebraun. Im Duft ist er eher verhalten, aber schön traditionell, erinnert an Preiselbeeren. Zarte Reifesüße, Eisen, Blut, hat Biss, eine leichte Säure, recht langes Finale. Ist überraschend gut, fein gereift, balanciert. 17/20. 9/16

 

1971 Chateau Cheval Blanc, Saint-Emilion 1er Cru Classé A: reife Farbe, oranger Rand. Tolle Cabernet Franc Würze in der Nase, ein Tick dropsig, ätherische Noten, zarte Reifesüße. Guter Extrakt, ganz leicht bitter, was aber nicht stört, da der Körper die Bitterstoffe gut wegsteckt, elegant, schmackhaft, ohne den allerletzten Druck, aber lang, sanft und sehr schön zu trinken. 18. 9/16

 

1971 Chateau Canon-la-Gaffeliere, Saint-Emilion 1er Cru Classé B: reife Farbe, rotbraun. Im Duft mit pflanzlicher Note, Minze. Mittleres Gewicht, hinten raus mit einer deutlichen Honignote, so etwas gibt es also auch beim Rotwein, hat Charme, alles sitzt am richtigen Platz. Ist recht nah dran am Cheval Blanc. Beachtlich. 17,5. 9/16

 

Frank Rembold am 24.09.2016

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