Ein denkwürdiger Weinabend

Ein denkwürdiger Weinabend

Ein denkwürdiger Weinabend

Ein denkwürdiger Abend mit großen Weinen in großer Menge. Man wird nur einmal 50, also Anlass genug richtige Schätze aus dem Keller zu holen. Gastgeber Jürgen zeigte sich dabei doppelt spendabel, gab es doch von jedem Wein sogar zwei Flaschen, damit für alle reichlich Getränk vorhanden war, wahlweise auch Magnums. Solche Abende sind sehr rar und ich bin dankbar, dabei gewesen zu sein.
 

Alle Weine wurden blind (also verdeckt) serviert, meist als 2er Pärchen, wobei die Flaschenform als einziger Hinweis erkennbar war.

 

2005 Riesling Grosses Gewächs Hermannshöhle, Dönnhoff (Nahe): mittlere Farbe, leicht goldgelb. Im Duft wirkt er saftig, gelbfruchtig, erste Riesling-Reifenoten sind da, wirkt recht üppig. Am Gaumen ist er reifer als im Geruch, saftig und weich für einen Riesling, die ganz große Eleganz hat er nicht. Bestimmt ein reifer Jahrgang (ich hatte auf 2007 getippt). (17,5/20).
 

2005 Riesling G-Max, Keller (Rheinhessen): dunklere Farbe, deutlich goldgelb. Sehr gelbfruchtig und vollreif, leichte Botrytis? Am Gaumen sehr üppig und weich, opulent, aber ohne großen Biss, Eleganz hat er gar keine. Eine Mischung aus Heymann-Löwenstein und Marcel Deiss. Zum Essen legte er zu, trotzdem finde ich hier nichts, was echte Größe signalisiert. Ist nicht meiner. (17+?/20)


 
 

1994 Dominus, John Daniel Society (Kalifornien): mittlere Farbe, leichter Wasserrand. Leicht grüner Cabernet, Paprika, wirkt nicht allzu reif. Hat viel Charme, einen fast öligen Extrakt, für einen Bordeaux ist er mir zu „süß“ hinten raus, hatte aber keine Idee, wo der herkommt. Eher weiche Struktur, hat Klasse. (18/20).
 

1991 Dominus, John Daniel Society (Kalifornien): feines Röstaroma, Cassis, Zedernholz. Viel Biss am Gaumen, ist griffiger als der 1994er, bei mindestens ebenso viel Opulenz. Die Struktur und Finesse ist Klasse, sehr langes Finale. Ich würde ihn nicht mehr lagern, die Tannine deuten ganz minimale Trockenheit an im Finale, das wird vermutlich nur noch stärker mit weiterer Reife. (19/20).

 

1982 Château  Talbot, 4. Cru Classé Saint-Julien (Bordeaux): schöner Duft voller Finesse, klassischer Bordeaux, Cassis, ein Hauch Veilchen, kühle Aromatik, herrliche Nase. Superelegant, frisch, sehr lang, klassische Struktur und durch den hohen Extrakt trotzdem sehr geschmeidig. Toll! (19/20). Aus der Magnum.
 

1982 Château  Gruaud-Larose, 2. Cru Classé Saint-Julien (Bordeaux): dunklere Noten als beim Talbot, reife Saftigkeit im Duft andeutend, eine minimale Paprikanote, feine Würze. Am Gaumen mit enormen Extrakt und toller „Süße“, enormer Druck, ein richtiger Dampfhammer und trotzdem tänzerisch elegant. Großartig! (20/20).

 

1990 Château Montrose, 2. Cru Classé Saint-Estephe (Bordeaux): leicht nussiger Geruch, würzig. Kantige Tannine, ein robuster Typ, der zum Essen zulegt. Die Flasche am Nebentisch war besser, extraktreicher, harmonischer mit sehr viel Extraktsüße und sehr lang anhaltend. (19,5/20).
 

Beide Flaschen 1989 Château Montrose waren leider korkig. So viel Pech auf einmal ist selten. Sehr schade, eine 0,375L Flasche neulich war genial.

 


1970 Vega Sicilia Unico, Ribera del Duero (Spanien):
 viel Minze und Leder, schwarzer Tee, öffnet sich an der Luft, entwickelt eine schöne Würze. Am Gaumen mit guter Fülle, ist nicht der Eleganteste, da die Tannine einen Hauch Trockenheit mitbringen, Dampf hat er. (18,5/20).

1970 Château Latour, 1er Cru Classé Pauillac (Bordeaux): altmodischer Bordeauxgeruch, ein wenig Unterholz, grüne Paprika. Am Gaumen mit gutem Biss, hinten raus zündet er die zweite Stufe, da ist richtig viel Druck drin, sehr lang und strukturiert, tolle Extraktsüße. (19/20).

 

1990 Penfolds Grange (Australien): Buttermilch, Kakao und intensiv nach Kokos. Hat nicht die subtilste Nase heute Abend. Im Geschmack finde ich ihn reizvoller, hat eine tolle Länge und viel Zug, wirkt dabei auch noch ziemlich jung, eine ganz leichte Trockenheit in den Tanninen deutet er an. Trotzdem große Klasse. (19/20).
 

2002 Richebourg Grand Cru, Thibault Liger-Belair (Burgund): leichte Hefenote, fast wie spontan vergorene Rieslinge, Kakao, herrliche Klarheit und Kühle in den Aromen, wirkt sehr jung. Große Klasse am Gaumen, enorme Tiefe, auch hier diese großartige Klarheit und Präzision, bei aller Kraft wirkt er frisch, sehr lang, Wow! (19,5/20).
 

1982 Château Chasse-Spleen, Cru Bourgeois Moulis (Bordeaux) aus der Doppelmagnum (3,0L), nicht verdeckt serviert: schöne Nase, blitzsauber, mineralische Eleganz. Tolle Klarheit am Gaumen, mit der charmanten Fülle des großen Jahrgangs, Reifesüße, herrlich! 18,5/20.
 

1978 Château La Mission-Haut-Brion: leider eine Magnum mit Kork. Ganz bitter, der ist normal richtig groß!
 

1952 Château La Mission-Haut-Brion (Händlerabfüllung): ziemlich gebrechlich, kann man noch trinken, ist aber kein großer Spaßmoment.
 

1966 Château Cheval Blanc, 1er Cru Classé A, Saint-Emilion (Händlerabfüllung): leider deutlich über dem Höhepunkt.


Frank Rembold am 06.02.2016 

Kommentare

Sei der erste der einen Kommentar schreibt....

Schreibe einen Kommentar
* Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.
* Pflichtfelder
Durch die Nutzung unserer Webseite stimmen Sie dem Gebrauch von Cookies zur Verbesserung dieser Seite zu. Diese Nachricht Ausblenden Für weitere Informationen beachten Sie bitte unsere Datenschutzerklärung. »