Die großen Gewächse des VDP Tour 2016

Die großen Gewächse des VDP Tour 2016

Meine Eindrücke der VDP Tour Grosses Gewächs Jan/Feb. 2016

Ende Januar und Anfang Februar begeben sich die Weingüter des VDP (Verband deutscher Prädikatsweingüter) auf Tournee, um ihre GGs, die GROSSEN GEWÄCHSE dem interessierten Fachpublikum vorzustellen. 2016 wurden meist die Weißweine des Jahres 2014 und die Rotweine des Jahres 2013 gezeigt, wobei jedem Winzer natürlich freigestellt ist, auch ältere Weine zu präsentieren.
 

Rotweine: hier habe ich mich ganz auf die Spätburgunder konzentriert, mehr ging leider nicht. So schwierig der Jahrgang 2013 bei den Weißweinen aufgrund seiner Säure ist, so verblüffend klar und harmonisch sind die Spätburgunder ausgefallen. Die Weine haben eine schöne Frische, gute Konzentration und hohe Eleganz. Ein wirklich hervorragender Pinot Noir Jahrgang. Besonders gut gefielen mir diese 2013er: Kranz „Kalmit“ (Pfalz), Fürst „Hundsrück“ (Franken), Haidle „Burghalde“ (Württemberg), Schnaitmann „Lämmler“ (Württemberg). Für einige Weine von der Ahr und aus der Pfalz reichte die Zeit leider nicht mehr, Baden kam dieses Jahr leider nicht nach München. Fazit: deutscher Pinot Noir kann sich mit der Weltspitze messen und viele Weine haben weiter an Stil und Charakter zugelegt. Knipser und Friedrich Becker hatten keine 2013er Rotweine dabei.
 

Die Rieslinge (und die anderen Weißen), nach Anbaugebieten:
 

Franken: Neben den rassigen und gleichzeitig fast cremigen Rieslingen, zeigt in 2014 auch der Silvaner seine Klasse. Vor allem im Vergleich zu 2013 sind wir hier in einer anderen Liga, tolle Weine voller Charme und Tiefe. Die besten Silvaner: Rudolf May: Himmelspfad und Rothlauf, beide blitzsauber und klar wie ein Gebirgsbach; Horst Sauer „Am Lumpen 1655“, Hans Wirsching „Julius-Echter-Berg“. Rieslinge: Horst Sauer „Am Lumpen 1655“, Schmitt’s Kinder „Pfülben und alles überragend: Hans Wirsching „Julius-Echter-Berg“, knapp dahinter der „Kronsberg“. Wirsching hat generell eine tolle 2014er Kollektion abgefüllt!
 

Nahe: die Bastion des „Spontis“ – praktisch alle Weine haben einen intensiven Ton von Spontanvergärung, das kann unerfahrene Genießer irritieren. Die Qualität ist hier abermals auf sehr hohem Niveau. Begeistert haben mich: Schlossgut Diel „Burgberg“ (best ever!), Dönnhoff „Dellchen“ (die tolle Herrmannshöhle war leider schon leer), Emrich-Schönleber „Frühlingsplätzchen“ und „Halenberg“, Gut Herrmannsberg „Hermannsberg“ und der Tagessieger von einem Weingut, dass ich sonst aufgrund fehlender Power oft kritisch sehe: Schäfer-Fröhlich „Stromberg“ aus 70-jährigen Reben.
 

Pfalz: wieder ganz vorne dabei, großartige Weine in Hülle und Fülle. Die Top-Rieslinge: Bassermann-Jordan „Jesuitengarten“ und „Pechstein“, von Buhl „Pechstein“, Christmann „Langenmorgen“ und „Idig“, Knipser „Mandelpfad“, Kranz „Kirchberg“ (früher Kalmit Terrassen), Philipp Kuhn „Kirschgarten“, Rebholz: alle! Eine Wahnsinnspräzision und „Kühle“ bei toller Konzentration, Karl Schaefer „Herrenberg“, von Winning „Ungeheuer“ und der beste Wein der 2 Wochen: das „Kirschenstück“.
 

Rheingau: die Weine werden stets besser, auch wenn es für ganz vorne nur bei Robert Weil reicht. Vorne dabei: Schloss Johannisberg, Künstler „Hölle“ und „Berg Schlossberg“, Balthsar Ress „Berg Rottland“, Josef Spreitzer „St.-Nikolaus" (mit merklicher Neuholznote!), Schloss Vollrads „Schlossberg“ (Pfirsich pur!), Robert Weil „Gräfenberg“ eine eigene Liga im Rheingau.
 

Rheinhessen: hier gab es für mich die ein oder andere Enttäuschung, daneben aber auch herausragende Weine wie z.B.: Battenfeld Spanier „Zellerweg am Schwarzen Herrgott“, „Kirschenstück“ und „Frauenberg“ sind nur knapp dahinter, Kühling-Gillot „Hipping“, Groebe „Aulerde“, Gunderloch „Pettenthal“, Wittmann „Morstein“. In der absoluten Spitze des Jahrgangs war für mich jedoch kein Rheinhesse vertreten.
 

Württemberg: für mich die eigentliche Überraschnung. Das „Ländle“ ist mit seinen Rieslingen in der Spitze angekommen. Dabei sind die meisten Weine angenehm trockener als die der meisten anderen Gebiete. Das Gros bewegt sich zwischen 0 Komma bis 4,0 Gramm pro Liter. Top Rieslinge waren: Dautel „Steingrüben“, Ellwanger „Altenberg“, Haidle „Pulvermächer“, Schnaitmann „Götzenberg“ und „Lämmler“.
 

Fazit: 2014 ist ein toller GG Riesling-Jahrgang, die Weine haben eine erstklassige Klarheit und Frische, sind aber auch konzentriert und bisweilen fast cremig am Gaumen. Gerade im Vergleich mit einigen 2013ern zeigt sich die deutlich bessere Harmonie und Dichte, die Säuren sind in 2014 einfach reifer. Ebenso überzeugend die Silvaner. Nicht ganz so begeistert war ich von den wenigen Weißburgundern die ich probierte. Es fehlte diesen etwas an Biss und Spannung. Die Mosel und Baden haben heuer ihre Weine leider nicht in München präsentiert. Ich würde mich freuen, wenn das 2017 wieder der Fall wäre.
 

Frank Rembold im Februar 2016

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