Prowein 2017 (1) - Bordeaux Jg. 2014

Prowein 2017 (1) - Bordeaux Jg. 2014

Alte Liebe rostet nicht und so ist die Arrivage (Ankunft) des aktuell abgefüllten Bordeauxjahrgangs immer wieder ein Highlight. Der 2014er ist nebenbei bemerkt meine 30. Arrivage, die ich miterleben darf. Jubiläum!
 

Etwas über 100 verschiedene rote Cru Classé und Cru Bourgeois, sowie ein paar weiße Graves habe ich probiert, um einen Überblick über die Qualität und Stilistik zu bekommen. Gleich vorab: das Jahr macht mir viel Spaß. Ich würde den Jahrgang bei den roten Bordeaux als relativ klassisch bezeichnen, ein wenig wie 2008, aber konzentrierter als dieser. Merlot und Cabernet scheinen von ähnlich guter Qualität zu sein, grüne Unreifenoten findet man nur sehr selten, allgemein haben die Weine sehr schöne reife Tannine, die Weingüter geben sich fast alle viel Mühe.
 


Die weißen Graves sind heterogener als die Rotweine, bei einigen Weinen ist die Säure etwas ruppig, was sich nicht immer harmonisieren wird, die Spitze ist aber auch hier von großer Klasse, der Domaine de Chevalier Blanc war für mich einer der besten trockenen Weißweine, die ich jemals probieren durfte. Eine Wahnsinns-Komplexität und Harmonie auf höchstem Niveau. Eine Art „Le Montrachet“ aus dem  Bordeaux. Dahinter kommen etwa gleich auf der Malartic-Lagravière, Pape-Clément (für Barriquefans), dann Smith-Haut-Lafitte und Larrivet-Haut-Brion. Unter den günstigeren Gewächsen gefiel mir vor allem der Bouscaut und de France. Etwas enttäuschend heuer: Carbonnieux, Latour-Martillac und auch der Fieuzal, alles Weingüter, die in den letzten Jahren eigentlich immer überzeugt haben, aber wie eingangs erwähnt, eine etwas derbe Säure aufweisen. 
 

Bei den roten Graves sehe ich Domaine de Chevalier, Haut-Bailly und Pape-Clément gleich auf, der ebenfalls sehr konzentrierte Malartic-Lagravière ist nicht so präzise in der Frucht wie die drei, daher knapp dahinter. Fieuzal, Latour-Martillac, Smith-Haut-Lafitte und Carmes Haut-Brion gefallen ebenfalls, dann folgen Carbonnieux und der Château Olivier, der den besten Wein seit Jahrzehnten auf die Flasche gefüllt hat. La Louviere und Larrivet-Haut-Brion sind o.k., mehr aber auch nicht.
 

In Saint-Emilion würde ich Figeac und Pavie-Macquin vorne sehen, Larcis-Ducasse, la Dominique und Tour-Baladoz sind sehr gut, eine positive Überraschung ist auch der Villemaurin. Solide sind Larmande und Canon-la-Gaffeliere (der mir wie immer zu weich und belanglos ist, auch wenn ich mit dieser Meinung in der Minderheit bin). Eher schwach für ihre Ambition finde ich Balestard-la-Tonelle, la Gaffeliere und La Couspaude.
 

Pomerol gefiel mir sehr, vor allem Clinet, gefolgt von Bon Pasteur, La Conseillante, La Cabanne (so gut hatte ich den noch nie) und la Pointe. Bei Gazin wäre mehr möglich gewesen.

 

Bei den Cru Bourgois ragten für mich diese heraus: Maucaillou aus Moulis (abermals klasse!), Le Boscq und Le Crock und Phélan-Segur aus Saint-Estèphe, Haut-Breton-Larigaudière aus Margaux, du Retout, Malescasse, Cambon-la-Pelouse, Belle-Vue und Arnaud (alle Haut-Médoc und alle mindestens so gut wie die Cru Classé Belgrave, de Camensac und Cantemerle), sowie die Ormes Sorbet aus dem Médoc. Dazu gibt es ein breites Mittelfeld in diesem Bereich, mit Weinen die ihr Geld absolut wert sind.
 

Margaux kam etwas zu kurz bei der Verkostung, der Kirwan war sehr schön, Durfort-Vivens ziemlich schwach.
 

Die beiden herausragenden Weine in Saint-Julien waren Léoville-Barton und Léoville-Poyferré, Langoa-Barton und Lagrange gefielen mir sehr gut, auch Gruaud-Larose und Talbot sind eine Überlegung wert.  Solide der Beychevelle, schwächer der Branaire-Ducru.
 

Pauillac war eher mit unterklassigen Château vertreten, aber dafür sehr gleichmäßig gut: Lynch-Bages vor Clerc-Milon, dann Armailhac und Batailley auf einer Stufe, Lynch-Moussas Haut-Bages-Liberal und Grand-Puy-Ducasse knapp dahinter.
 

Cru Classé aus Saint Estèphe waren leider keine am Start.


Fortsetzung folgt.
Frank Rembold im März 2017 

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