Faszination Burgund Oktober 2016

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  • Durch Frank Rembold
  • Geposted in Burgund, Weinprobe
Faszination Burgund Oktober 2016

Das Burgund zieht mich immer wieder magisch an. Daher habe ich mich ganz besonders auf diesen Abend im Munich Wine Club gefreut. Diese Weine haben Stil und Charakter, sind bei aller Kraft und Tiefe unglaublich elegant. Und das vielbeschrieben "Mienenfeld" ist die Bourgogne auch schon lange nicht mehr. Der allgemeine Standard der Weinbereitung ist hier heute auf einem sehr hohen Niveau, was nicht bedeutet, dass es keine mittelmäßigen Weine mehr gibt, das ist aber in allen Anbaugebieten der Welt so. 
Vielen Dank für die Organisation an Thomas, Marina und Alex. 

Die Weine wurden in 2er Pärchen verdeckt ausgeschenkt, wobei mit Ausnahme der letzten Paarung bekannt war, welche beiden Weine in der Runde sind. In der Reihenfolge Ihres Erscheinens:


2014 Bourgogne blanc, Domaine Leflaive: Sponti, Holz, Birne, Banane. Knackige Säure, guter Druck, hat Kraft, einzig diese Säure macht mir Sorgen. Wird der sich balancieren? Zeit wird das auf jeden Fall brauchen. 16+?/20
 

2014 Bourgogne blanc, Pierre-Yves Colin-Morey: ist gelbfruchtiger als der Leflaive, Holz, wirkt relativ mollig im Geruch, auch hier ein Sponti. Am Gaumen weich und ausgewogen, nicht allzu komplex, aber sehr trinkig, ausgewogen, fast etwas kommerziell, auf jeden Fall erstaunlich unkompliziert für dieses Weingut. 16,5/20
 

2002 Puligny-Montrachet 1er Cru „les Pucelles“, Domaine Leflaive: die Farbe geht ins Goldgelbe. Karamell, Butter, Marzipan, eher gelbfruchtig, reife Ananas, zeigt Reifearomen, klassische Burgundernase, schön gereift. Viel Fülle, hat viel Fett auf den Rippen, Marzipan auch im langen Finale, der lebt von seiner Opulenz, macht den Mund wohlig voll. Ich würde ihn eher bald trinken. 18,5/20
 

2001 Corton-Charlemagne Grand Cru, Domaine Bonneau du Martray: junge Farbe, grüngelb, völlig ohne Reifetönung, ist wesentlich heller als der Puligny/Leflaive. Wirkt in der Frucht auch deutlich kühler als der Leflaive, weiße Früchte wie Apfel, auch hier etwas Marzipan. Ist nicht allzu opulent, aber sehr lang, hat Zug, die kühle Aromatik und Struktur gefällt mir sehr. Im Finale hat auch er eine gewisse Reife, auch hier würde ich nicht mehr allzu lange warten. 18,5/20
 

2009 Chambolle-Musigny, Domaine Georges Roumier: eher helle Pinotfarbe mit leicht violetter Tönung, sieht jung aus. Der Duft springt fast aus dem Glas, edles Holz, präzise und klar. Viel Biss, keine Hitzetannine, allerdings zeigt sich hinten etwas Alkohol, ist eher verhalten, ist der gerade in seiner Schlafphase? 17,5/20
 

2009 Vosne-Romanée, Domaine Jean Grivot: seltsam reife Farbe, deutliche Bräunung. Wirkt etwas dumpf, süß, Spekulatius. Am Gaumen etwas alkoholisch, aromatisch eher leer. Hinterlässt ein Fragezeichen. Das sollte eigentlich viel besser sein, als es tatsächlich ist. 16?/20
 

2010 Nuits-Saint-Georges 1er Cru Aux Vignes Rondes, Mugneret-Gibourg: hellere bis mittlere Pinotfarbe, violett. Him- und Brombeeren, tolles Holz, glasklar, herrliche Nase. Hat Extrakt, viel Zug und eine lebendige Säure, ist richtig fordern am Gaumen, praktisch ohne Reife, aber mit sehr guten Anlagen. Ab 2020 trinken. 18+/20
 

2007 Clos de la Roche Grand Cru, Armand Rousseau: sieht nicht mehr jung aus, was für den Jahrgang aber auch nicht ungewöhnlich ist. Reifearomen im Duft, wirkt süß und saftig, eine richtig geile Burgundernase. Opulent für einen 2007er, fast mollig, trotzdem hat der Wein etwas schwebend Elegantes, „süß“ und lang auch im Finale. Ist jetzt perfekt zu trinken, ohne dass man sich beeilen müsste. Macht viel Spaß. 18/20
 

1996 Beaune 1er Cru Clos des Mouches, Joseph Drouhin: helle reife Farbe, Orangetönung am Rand. Hat Charme in der Nase, reife Burgundernote. Mittleres Gewicht, nicht allzu konzentriert, etwas karg sogar. Ist o.k., aber ohne großen Zauber und auch schon recht weit gereift. 16/20
 

1986 Gevrey-Chambertin, Faiveley: helle und reife Farbe, bräunlich. Riecht nach Käserinde, Unterholz, Tertiäraromen. Zupackende Säure, mit welcher der zarte Körper des Weines überfordert ist, blechern im Finale. Zu alt, wenn auch noch trinkbar. 15/20
 

1969 Charmes-Chambertin Grand Cru, Louis Latour: trübe Farbe. Altweinnase, zeigt „Süße“ an. Mittleres Gewicht, hat Stoff, eine gute Länge und auch die Balance passt noch. Die Reifesüße gibt dem Wein eine charmante Komponente. Mir schmeckt der, schöner Altwein und endlich mal ein guter Wein von Louis Latour. 17/20
 

1959 Chambertin Grand Cru, Jaboulet-Vercherre: klare Farbe, braunrot. Im Bouquet getrocknete Feigen, Schokolade, deutet Süße an, braune Butter, Karamell. Hat eine gesunde Säure am Gaumen, Biss und Extrakt, lang, ausgewogen, immer noch erstaunlich kraftvoll. Macht Spaß. 17,5/20
 

2013 Morey-Saint-Denis blanc Mont Luisants, Domaine Dujac: sehr hell. Leicht dropsige Frucht, Eisbonbon, dazu ein merklicher Sponti. Am Gaumen etwas harmlos, fruchtig, eher exotisch. 16,5/20. Hier habe ich nicht auf Burgund getippt.
 

2013 Weißburgunder Centgrafenberg, Rudolf Fürst: sieht reifer aus, als er ist. Gelbfruchtig, recht gute Substanz, cremiger Ansatz. Säure und vollreife Frucht passen nicht so richtig zusammen. Wirkt etwas zerfahren. 16/20

Frank Rembold, Oktober 2016 

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